23.07.2020
Aufmerksam und mit Liebe zum Detail

Nachruf auf Pfarrer i.R. Fritz Lenz

Zum Jahresende 1995 ging Pfarrer Fritz Lenz in den Ruhestand. Aber bis heute ist er im Pfarrbereich Freyburg präsent. In zahlreichen Gesprächen ist von ihm immer wieder die Rede. Es wird von seinen „tief theologischen Predigten“ erzählt und wie seine „klare Stimme“ den Raum der Freyburger Kirche ohne Mikrophon füllte. Andere Gemeindeglieder erinnern sich an den Konfirmandenunterricht bei ihm, der zeitweise in seinem buchreichen Amtszimmer stattfand. Bis zur Decke gingen die Bücherregale mit mehreren tausend Bänden und dazwischen stand ein Sofa für Gespräche. Ein Raum, der ein Bild für die Belesenheit und Zugewandtheit von Fritz Lenz darstellte.

 

Man trat ihm als Pfarrer mit Respekt und Anerkennung gegenüber, aber er war ebenso nahbar. Er nahm sich Zeit und konnte den Menschen aufmerksam zuhören. Als Prediger und Seelsorger prägte Fritz Lenz das Gemeindeleben im Bereich Freyburg 22 Jahre lang. Er tat es mit ganzer Seele und vermutlich in jedem Moment darauf bedacht, dass er als Pfarrer gebraucht werden könnte. So versah er nämlich die Gartenarbeit im Anzug – immer bereit für geistliche Aufgaben.

 

Seinem Wunsch, Theologie zu studieren, folgte er in der Zeit, als die Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche zunahmen. So begann er 1952 er mit einem vorbereitenden Studium am Proseminar in Mansfeld. Die Lehreinrichtung wurde jedoch unter staatlichem Druck geschlossen, sodass er sein Theologiestudium erst einige Zeit später an der Evangelischen Predigerschule in Wittenberg fortsetzen konnte. Nach Studienabschluss und Vikariat in Bad Liebenwerda und in Kütten bei Halle übernahm er 1959 in Binde in der Altmark seine erste Pfarrstelle im nahen Grenzgebiet.

 

Nach 14jähriger Tätigkeit in der Altmark kam er mit seiner Familie nach Freyburg. Hier in der Gemeinde fand er Unterstützung, knüpfte etliche Kontakte und brachte seine Ideen ein. So gründete er etwa für frisch vermählte Paare einen Ehepaarkreis, der sich bis heute trifft. Während seiner Amtszeit betreute er auch immer wieder Praktikanten oder begleitete Vikare. Einen besonderen Schwerpunkt seines Dienstes bildete die Zeit der Friedlichen Revolution. Er öffnete, wie in vielen anderen Orten, auch in Freyburg die Kirche für Fürbittgottesdienste. Zudem nahm er am Runden Tisch in Freyburg teil und vertrat ein friedliches Miteinander unterschiedlicher Meinungen. Kurzzeitig war er amtierender Superintendent des Kirchenkreises Freyburg und darüber hinaus segensreich wirksam, unter anderem im Kreiskirchenrat oder als Vorsitzender der Visitationskommission. Auch im Ruhestand half er in Freyburg sowie in Naumburg gerne aus und übernahm Gottesdienste und Seelsorgeaufgaben, solange es seine Kräfte zuließen.

 

Über den Pfarrdienst hinaus entwickelte er eine große Leidenschaft für die Heimat- und Kirchengeschichte. Er verfasste viele Artikel, die im Freyburger Boten oder im Saale-Unstrut-Jahrbuch veröffentlicht wurden. Bis zuletzt schrieb er auch für die Kolumne „Gott und die Welt“ im Naumburger Tageblatt über historische Themen. Im Pfarramt Freyburg sind zudem zahlreiche Arbeiten von ihm über Kirchen, Orgeln, Glocken oder Freyburger Persönlichkeiten aufbewahrt. Jeder Beitrag ist eine gründlich recherchierte Studie. Mit großer Liebe zum Detail hat er auch für viele Kirchen der Region Papierbastelbögen erstellt. Er hat sie alle mit Hand gezeichnet. Für sein vielfältiges und umfangreiches Engagement bekam er den Ehrentitel „Verdienter Bürger der Stadt Freyburg“ verliehen.

 

Am Sonntag, dem 5. Juli, durfte er mit 85 Jahren zu dem zurückkehren, der jedes Leben im Detail im Blick hat und anschließend in Liebe bewahrt (nach Psalm 139). Dankbar nehmen wir Abschied von Fritz Lenz und wünschen seiner Familie Gottes Beistand.

 

Im Namen der Evangelischen Kirchengemeinde Freyburg und des Kirchenkreises Naumburg-Zeitz, Pfarrer Arvid Reschke und Rainer Preuler aus Freyburg


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Fritz Lenz © Foto Rainer Preuler sw